

Artikel
über Werner Hassepaß in der Berliner
Zeitung
Akrobatischer
Clown
BERLIN, 17. Mai.
Unter seinem wirklichen Namen kennt ihn kaum jemand:
Werner Hassepaß, 61, heißt bei allen
Freunden und Bekannten nur "Kullebumm". Das ist der
Name jenes Clowns, in dessen Figur der gebürtige
Thüringer schlüpft, wenn seine alte
Artistenpassion gefragt ist. "Ich habe mich zwar
weitgehend davon zurückgezogen, aber wenn ich
gebeten werde, jemanden zum Lachen zu bringen, dann
muss man mich nicht lange drängeln - vor allem,
wenn es um Kinder geht", sagt er.
Im Moment hat er
dafür keine Zeit, denn beim Turnfest ist
Hassepaß im Dauerstress. Am Dienstag fanden die
Finals der Deutschen Meisterschaft der Sportakrobaten
statt - und da ist "Werner Beinhart" Wettkampfleiter.
Ihm ist das Leitmotiv der Comic-Figur, "Das muss
kesseln!", wie auf den Leib geschneidert. Die
Sportakrobatik, eine der wenig beachteten Disziplinen
in der Vielfalt des Deutschen Turner-Bundes, ist die
große Liebe von Werner
Hassepaß.
Sein Leben ist seit
einem halben Jahrhundert damit verbunden: 1957 hat
Hassepaß in der Schule in Weimar mit der
Akrobatik begonnen. Von 1958 bis 1962 hat er an der
Kinder- und Jugend-Sportschule in Nordhausen und beim
SC Motor Jena als Kunstturner weitergemacht. Danach
kam er zurück zur Akrobatik, wurde Amateurartist,
trat bei Heinz Quermanns "Herzklopfen" kostenlos auf.
Aus dem Hobby wurde nach dem Besuch der Artistenschule
in Berlin schon Mitte der Sechziger ein Beruf, von dem
fast alle Kinder schon mal geträumt haben. Die "4
Happys" hieß die Schleuderbrett-Nummer, mit der
Hassepaß bis Ende der Siebziger im Zirkus
auftrat und herumreiste. Dann machte er sich
selbstständig, Clown Kullebumm war geboren.
Nebenbei wurde er zum Diplomsportlehrer.
Nach der Wende war
er der Pionier seiner Disziplin im vereinten Berlin.
Heute ist er Trainer, Mentor, Berichterstatter,
Organisator - alles in einem. Seit 1987 verdient er
sein Geld hauptberuflich als Mitarbeiter im Berliner
Stadtmuseum (damals Märkisches Museum), wo dank
Hassepaß die Geschichte der Artistik eine
zunehmend wichtige Rolle spielt. "Ich denke mal, dass
ich schon einiges bewegt und mein Leben nicht
verschleudert habe", sagt er. "Es ist aber auch noch
genug offen. Es wäre die Erfüllung eines
großen Traums, wenn ich erleben dürfte, wie
die Sportakrobatik eine olympische Disziplin wird."
Verdient hätte sie es, meint er. Immerhin 10 000
Sportakrobaten gibt es laut Hassepaß in
Deutschland, 500 davon in sechs Berliner
Vereinen.
Klaus
Wiese
(für
die Berliner Zeitung vom 18.5.2005)
